Vor der Therapie

Folgende Zitate stammen von Menschen, die eine Therapie im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ absolviert haben oder sich zum Zeitpunkt der Interviews in Therapie befanden. Alle persönlichen Angaben - Name, Alter, Beruf - wurden für die Veröffentlichung auf dieser Website anonymisiert.

Ralph, 38, Regisseur

Der Auslöser, warum ich hierhergekommen bin, ist ein Übergriff, den ich gegenüber einem Mädchen begangen habe, und zwar über das Internet. Ich habe sie gebeten, mir Material zu schicken, und das war der Auslöser, wo ich gemerkt habe, jetzt ist Schluss, das geht so nicht weiter.

Sven, 45, Lehrer

Schließlich kam es doch zum Übergriff, und mir war danach sofort klar, dass ich eine Grenze überschritten hatte, obwohl nicht sehr viel passiert war. In den Wochen danach hatte ich immer mehr das Gefühl, dass mir alles entglitt. Dann folgten das Disziplinarverfahren und die Versetzung. Nun konnte ich endlich mein Problem aktiv angehen. Ich suchte wieder nach Hilfe, und endlich fand ich sie. Ich war jetzt so weit, dass ich meine Therapie voll Engagement und Enthusiasmus anging. Die erste Analyse am Telefon motivierte mich zusätzlich: Endlich stellte mir jemand die richtigen Fragen, und endlich konnte mir jemand einen Namen für mein Problem geben.

Stefan, 36, Tontechniker

Auf Anraten meiner Frau ließ ich mich freiwillig in die Klinik für forensische Psychiatrie zur Beobachtung einweisen. Es war das Beste, was mir überhaupt passieren konnte. Dort hatte ich für fast drei Wochen bis zu meiner Entlassung die Möglichkeit das erste Mal mit Menschen zu sprechen, die mir helfen wollten. Dort bekam ich verschiedene Anlaufstellen und Behandlungswege aufgezeigt. Hier wurde ich auch das erste Mal auf das Projekt aufmerksam.

Moritz, 58, Orchestermusiker

Ein Bekannter wies mich auf das Projekt hin. Ich rief an und bekam gleich einen Termin für ein anonymes Einzelgespräch mit einer Psychologin. Es folgten weitere Gespräche, dann mehrere Treffen einer „Infogruppe“ mit anderen Betroffenen. Von Anfang an war es sehr erleichternd, endlich offen über dieses Tabuthema sprechen zu können, ohne von irgendjemandem wegen meiner sexuellen Präferenz abgelehnt oder verurteilt zu werden.

Manuel, 33, Informatiker

Mir war eigentlich immer klar, dass ich Hilfe benötige. Allerdings habe ich mich sehr lange nicht getraut mit jemandem darüber zu reden. Das Thema war einfach ein zu großes Tabu. Bei dem „Kein Täter Werden“ – Projekt habe ich mich erst mal per Mail gemeldet, danach folgte ein Telefongespräch und ca. zwei Wochen später ein persönliches Gespräch mit einem der Therapeuten.

Ralph, 38, Regisseur

Diese Therapie hier war die letzte Möglichkeit, die ich noch gesehen habe. Ich habe dann doch endlich eine Mail hierher geschickt und sogar in der gleichen Woche einen Termin bekommen, bei dem ich mich erstmalig aussprechen konnte. Das ist auch so eine Sache: Wem soll man sich anvertrauen? Das erste Mal darüber zu reden, das war nicht einfach, zumal ich nicht derjenige bin, der groß über seine Gefühle spricht. Das ist ganz schön schwer, aber es ist eben auch eine Erleichterung, denn das habe ich über Jahre mit mir herum getragen. Und dann ist da einer, der nicht gleich sagt, du bist der letzte Abschaum der Welt, der sich auch mit der ganzen Thematik auskennt, das ist ja auch wichtig.

Bernhard, 44, Berater

Mir war klar, dass ich Hilfe brauche, wenn ich halbwegs normal weiterleben will. Zuerst dachte ich, dafür gibt es keine Hilfe. Ich muss damit selber kämpfen, mich zusammenreißen. Ich hatte irgendwo mal etwas von diesem Projekt gehört oder gelesen – ich weiß nicht mehr. Dann habe ich im Internet gesucht und die Telefonnummer gefunden. Und dort angerufen, auch wenn es einige Überwindung gekostet hat. Am anderen Ende war ein sehr netter und verständnisvoller Mensch. Dann bin ich zu meinem ersten Gespräch gefahren. Ich war ziemlich aufgeregt, weil ich nicht wusste, wie die Leute dort reagieren. Machen die mir Vorwürfe, beschimpfen die mich? Sagen die mir, ich sei ein Perverser? Aber die Sorgen waren unbegründet. Das Personal war sehr nett und hilfsbereit. Es war erleichternd, darüber reden zu können.

Günther, 55, Fernfahrer

Ich war der Meinung, das hab‘ ich relativ unter Kontrolle. Dann hat es meine Familie erfahren, und die haben gesagt, dass ich Hilfe brauche und was unternehmen muss. Da habe ich auch zugestimmt und endlich eingesehen, dass ich tatsächlich Hilfe brauche. Man denkt, dass man alles im Griff hat, obwohl das gar nicht stimmt. Ich bin froh, dass ich in das Projekt aufgenommen werden konnte.

Bernhard, 44, Berater

Vor der ersten Sitzung gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was für Leute sind da wohl? Kenne ich womöglich jemanden? Was denken die von mir? Kann ich wirklich alles sagen? Sperren die mich ein, wenn die hören, was ich getan habe?

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