Stellungnahme zu den Qualitätsstandards des GKV-Modellvorhabens

Am 25. November 2019 teilt BIOS e.V. in einer Pressemitteilung mit, dass der Verein seinen 14. Behandlungsstützpunkt für sogenannte „tatgeneigte Personen“ bundesweit nun in Berlin eröffnet habe. Seit 2019 werde BIOS e.V. vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) anerkannt und finanziert. Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ (KTW) ist der Vorreiter für das Modellprojekt nach §65d SGB V – Förderung besonderer Therapieeinrichtungen des Spitzenverbandes der GKV und stellt folgende Punkte klar:

  • Im Rahmen des GKV-Modellvorhabens werden ausschließlich Zentren und keine Einzeltherapeuten gefördert und evaluiert. Von BIOS e.V. gehört daher lediglich das Behandlungszentrum in Karlsruhe zum Modellprojekt, wie der GKV-SV betont.
  • Alle Anbieter, die im Rahmen des Modellprojekts gefördert und evaluiert werden, müssen einheitliche Qualitätsstandards erfüllen. Hierzu zählt laut den Fördergrundsätzen des GKV-SV eine umfassende Qualifikation der Therapeut*Innen im Bereich der Psychotherapie und Sexualmedizin/ Sexualtherapie. Letzteres ist beim Netzwerk „Kein Täter werden“ gegeben, BIOS e.V. kann diesen Standard nach eigener Aussage nicht erfüllen.
  • Das therapeutische Angebot im Präventionsnetzwerk KTW fußt auf zwei Säulen:
    1. Die pyscho- und sexualtherapeutische sowie ggf. medikamentöse Behandlung von Menschen, die eine pädo- oder hebephile Neigung haben und darunter leiden. Die psychischen Belastungssymptome wie Ängste und Depressionen durch soziale Isolation, können durch eine fachgerechte Behandlung der Pädophilie verringert werden. Somit ist die Behandlung der pädophilen Störung, wie sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ist, primäre Aufgabe des Gesundheitssystems.
    2. Das Risiko sexueller Übergriffe auf Kinder sowie der Nutzung von Missbrauchsabbildungen wird durch die fachgerechte Behandlung der Symptomatik ebenfalls verringert. Das Erlernen von Verhaltenskontrolle, Erfassen individueller Risikofaktoren und die Stärkung der sozialen Integration ermöglichen den von allen angestrebten Kinderschutz. Die Verhinderung von sexueller Traumatisierung von Kindern ist als präventiver Aspekt ebenfalls Aufgabe des Gesundheitssystems.
  • Neben diesen Säulen ist die Entstigmatisierung von Menschen mit Pädo- oder Hebephilie ein wichtiger Teil der Arbeit von KTW. Im Einklang mit dem Gesetzgeber (s. §65d SGB V) und der Förderungsgrundsätze der GKV vermeidet das Präventionsnetzwerk daher die Bezeichnungen „tatgeneigte Person“ und „Kriminalprävention“. KTW richtet sich an „behandlungsgeneigte Personen“. Das Netzwerk ermutigt Betroffene, die unter ihrer Neigung leiden, Verantwortung zu übernehmen und sich Hilfe zu suchen.
  • Erfahrungen in der Therapie mit pädo- oder hebephilen Personen gibt es bei dem Präventionsprojekt Dunkelfeld in Berlin bereits seit 2005. Daraus entstanden weitere elf Standorte bundesweit, die sich zu dem Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ zusammengeschlossen haben und sich engmaschig austauschen. Die Expertise aus nunmehr 14 Jahren wird nicht nur international nachgefragt, sondern in Form von Schulungen auch an neu hinzukommende Anbieter weitergegeben und fließt am Ende mit in die Evaluation ein.

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