Missbrauchsabbildungen

Missbrauchsabbildungen werden häufig verharmlosend als Kinderpornografie bezeichnet, obwohl sie zeigen, wie Kinder sexuelle Gewalt erleben. Die psychischen, sozialen, auch körperlichen Folgen dieses Missbrauchs können tiefgreifend und langwierig sein. Die Selbstbestimmung der Opfer wird zusätzlich dadurch beeinträchtigt, dass sich die Bilder kaum mehr aus dem Internet entfernen lassen, was die Missbrauchssituation perpetuiert. Darüber hinaus erhöht jede einzelne Nutzung die Nachfrage nach mehr Bildmaterial. Sowohl die Herstellung und Bereitstellung, als auch der Konsum von Missbrauchsabbildungen sind Straftaten.

Missbrauchsabbildungen wirken erregend auf Menschen, die sexuell ansprechbar sind für vorpubertäre Kinder (Pädophilie) oder frühpubertäre Kinder (Hebephilie). Insbesondere für solche Personen besteht ein hohes Risiko, Missbrauchsabbildungen zu nutzen und auf diese Weise die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu unterstützen und weiter zu befördern. Die Erfahrungen aus dem Netzwerk zeigen, dass viele Menschen mit pädophiler oder hebephiler Neigung unter ihrem sexuellen Interesse an Kindern leiden und Hilfe suchen. Darüber hinaus bestätigt sich, dass eine große Gruppe der Hilfesuchenden bereits Missbrauchsabbildungen nutzte (Dunkelfeld-Nutzer) oder Angst hat, diese zukünftig zu nutzen (potenzielle Nutzer). Viele der Nutzer haben Angehörige, die von deren Konsum wissen und unter diesem Wissen ebenfalls leiden.

Was steht im Strafgesetzbuch (StGB) zur „Kinderpornografie“?

Im § 184b Strafgesetzbuch „Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften“ ist festgelegt, dass mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft wird, wer eine „kinderpornographische Schrift“ verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht. Als kinderpornographisch wird eine pornographische Schrift definiert, wenn sie folgendes „zum Gegenstand“ hat:

a) sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) b) die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung oder c) die sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder des unbekleideten Gesäßes eines Kindes. Strafbar macht sich, a) wer es unternimmt, einer anderen Person den Besitz an einer kinderpornographischen Schrift, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt, zu verschaffen b) eine kinderpornographische Schrift, die ein tatsächliches Geschehen wiedergibt, herstellt oder eine kinderpornographische Schrift herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt c) es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen. Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als „Mitglied einer Bande“, die wiederholt diese Taten begeht, und gibt die Schrift ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wieder, so drohen Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

§ 184c StGB „jugendpornografische Schriften“ sieht etwas mildere Strafen vor für den entsprechenden Missbrauch der Altersgruppe der 14- aber noch nicht 18-Jährigen.

Was ist die COPINE-Skala?

Die 10-stufige Skala COPINE (Combating Pedophile Information Networks in Europe) dient der differenzierten Kategorisierung der verschiedenen sexuell expliziten und nicht-expliziten Abbildungen von Kindern. Sie unterscheidet den Schweregrad der Darstellungen gemäß dem erwarteten Schaden für das Opfer und wird häufig als Basis für den internationalen wissenschaftlichen Vergleich verwendet. Die Bandbreite der Abbildungen von Kindern im Internet ist sehr groß. Sie reicht von vollständig bekleidet (z.B. Versandhauskataloge) bis hin zu schwerster sexueller Gewalt gegenüber Kindern.

Wer konsumiert Missbrauchsabbildungen?

Von dem, was wir wissen, sind es fast nur Männer; allerdings mangelt es hier noch an Forschung. In einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Männern gaben 2,4 Prozent der Befragten an, Missbrauchsabbildungen genutzt zu haben. Unter den erwachsenen Projektteilnehmern von „Kein Täter werden“ am Berliner Standort bejahten dies 71 Prozent, wobei 89 Prozent von ihnen von der Justiz unentdeckt waren. Da Menschen vorzugsweise pornografische Materialien verwenden, die ihren sexuellen Fantasien entsprechen, kann die Nutzung von Missbrauchsabbildungen mit Kindern als Indikator für das Vorliegen der Pädophilie angesehen werden. In dem Beitrag „Kinderpornografie - Übersicht und aktuelle Entwicklungen“ aus dem Buch Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (2016) von Marc Graf (forensischer Psychiater) und Irina Franke (Psychiaterin) heißt es: „Studien zeigen, dass Konsumenten illegalen pornografischen Materials in der Regel jünger, besser ausgebildet und weniger oft vorbestraft sind als Hands-on-Täter. Ein Teil der Personen (10-25 Prozent) erfüllt die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie. Das Risiko für ein Missbrauchsdelikt außerhalb des Internets scheint sich bei Vorliegen einer Pädophilie und mit zunehmenden dissozialen Persönlichkeitsmerkmalen zu erhöhen. Personen, die ausschließlich wegen illegaler Internetpornografie vorbestraft sind, haben gemäß Datenlage mit 0,2-6,6 Prozent ein geringes Risiko, im Verlauf einen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen. Bei Personen, die bereits einen Kindesmissbrauch verübt haben, kann der Konsum von (devianter) Pornografie das Risiko für einen Rückfall erhöhen. Es gibt verschiedene verhaltenstherapeutische Therapiemanuale zur Behandlung von Personen, die illegale Internetpornographie konsumiert haben, wobei eine genaue diagnostische Abklärung und differenzierte Indikationsstellung erforderlich ist.“

Kann der Konsum von Missbrauchsabbildungen den Wunsch nach sexuellem Missbrauch eines Kindes stärken?

Inwiefern der Konsum von Missbrauchsabbildungen den Wunsch nach Realisierung eines sexuellen Kontaktes mit einem Kind verstärkt, kann nach gegenwärtigem Stand der Forschung nicht abschließend beurteilt werden. Da aber bereits der Konsum ein Straftatbestand ist und eine Form sexuellen Kindesmissbrauchs darstellt, ist der Verzicht auf den Konsum von Missbrauchsabbildungen ebenso Ziel der therapeutischen Bemühungen im Netzwerk „Kein Täter werden“.

Wie schaffen es Täter, Fotos von Kindern via Cybergrooming zu erschleichen?

Grooming (anbahnen, vorbereiten) ist laut des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM) der Fachbegriff für unterschiedliche Handlungen, die einen sexuellen Missbrauch vorbereiten. Cybergrooming findet im Internet über soziale Kanäle oder Chatfunktionen von Spieleplattformen statt. Die Täter*innen gehen äußerst strategisch vor. UBSKM: „Sie suchen den Kontakt, gewinnen ihr Vertrauen, manipulieren ihre Wahrnehmung, verstricken sie in Abhängigkeit und sorgen dafür, dass sie sich niemandem anvertrauen. Diese Handlungen sind als Vorbereitung zu sexuellem Kindesmissbrauch strafbar, auch wenn sie in einem Chatroom erfolgen.“ Nicht wenigen Tätern gelingt es via Cybergrooming, Kinder und Jugendliche etwa dazu zu bringen, Nackt- oder Posingbilder von sich anzufertigen und sie ihnen zu schicken. Oft erleben Kinder und Jugendliche Cybergrooming in einer Zeit großer körperlich-seelischer Umbrüche: Die mit der Pubertät einhergehende sexuelle Entwicklung umfasst alle Lebensbereiche und macht in der „Smartphone“-Generation natürlich auch vor dem Internet nicht halt. Immer mehr Kinder und Jugendliche verfügen über einen eigenen Internet-Zugang. Einer Analyse von Bitkom-Research aus dem Jahre 2017 zufolge haben im Alter von 10-11 Jahren 67 Prozent und im Alter von 14-15 Jahren 92 Prozent der Kinder/Jugendlichen ein eigenes Smartphone, mit dem sie bevorzugt soziale Plattformen nutzen, aber auch Computerspiele ansteuern. 35 Prozent der 10- bis 11-Jährigen und 64 Prozent der 14- bis 15-Jährigen haben einen eigenen Computer, im Alter von 16-18 sind es 79 Prozent. Häufig nutzen die Kinder und Jugendlichen Smartphones und andere Internetzugänge unbeobachtet von ihren Eltern. Die oft Online stattfindende „Enthemmung“ kann sowohl durch die Gefahren übermäßiger Vertrautheit gekennzeichnet sein als auch zu bedrohlichem Verhalten bis hin zum sog. „Cyber-bullying“ oder „Cybermobbing“ anderen gegenüber führen. In beiden Fällen ist der Unterschied zwischen der Online- und der Offline-Umgebung gravierend: Online besteht Anonymität und damit Unsichtbarkeit bei zudem möglicher Zeitunabhängigkeit Asynchronizität zwischen Sender und Empfänger sowie einer Kommunikationsebene von „gleich zu gleich“, damit aber auch einer Minimierung von Autorität, was dazu führt, dass sich Kinder und Jugendliche Online auf Kommunikationspartner einlassen, mit denen sie Offline einen engeren Kontakt meiden würden.

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