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Nach der Therapie

Folgende Zitate stammen von Menschen, die eine Therapie im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ absolviert haben oder sich zum Zeitpunkt der Interviews in Therapie befanden. Alle persönlichen Angaben - Name, Alter, Beruf - wurden für die Veröffentlichung auf dieser Website anonymisiert.

Günther, 55, Fernfahrer

Ich weiß jetzt, dass ich vernünftig leben kann. Die Gruppe war ein wichtiger Halt für mich.

Christian, 43, Beamter

Heute kann ich, selbst wenn ich sexuelle Lust habe, problemlos am PC surfen, und ich rufe nicht eine einzige Pornoseite mehr auf. Ich gucke harmlose Dinge, wie Computerthemen oder Sport.

Sven, 45, Lehrer

Meine sexuelle Präferenz spüre ich nach wie vor, sie hat aber ihren Schrecken verloren und auch einen großen Teil ihrer Bedeutung. Da ich mir meiner Verantwortung bewusst bin, fühle ich mich im Umgang mit Jugendlichen sicher und weiß, wo ich mir Hilfe holen kann, wenn ich das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren. Da aber aufgrund meiner neu gewonnen Überzeugung mein Drang zum Sex mit Jugendlichen enorm nachgelassen hat, kam eine solche Situation bisher nicht wieder vor.

Ralph, 38, Regisseur

Vor einem Jahr habe ich es meinen Eltern erzählt. Nachdem meine Freundin Bescheid wusste, sollten sie das auch erfahren. Zuerst war es ein Schock, vor allem für meine Mutter. Für meinen Vater war es vielleicht nicht ganz so schlimm. Das Verhältnis war dann eine Weile anders, irgendwie gestört. Sie haben das nicht richtig einschätzen können und nicht verstanden, dass ich nicht gleich jedes Mädel anfassen muss, wenn in der Verwandtschaft oder Bekanntschaft eine Jugendliche auftaucht, also dass sie mich nicht von Mädchen fern halten müssen. Mittlerweile ist es wieder besser geworden. Sie haben mir dann auch gesagt, dass ich weiterhin ihr Sohn bin. Das war ihnen offenbar wichtig, mir mitzuteilen.

Sven, 45, Lehrer

Beruflich habe ich mich sehr verändert und arbeite jetzt nur noch mit Erwachsenen zusammen. Zu meiner Überraschung weine ich dem Lehrerdasein, das ich lange für mich als meinen absoluten Traumberuf empfand, keine Träne hinterher, sondern genieße meine neue Tätigkeit sehr. Alle meine Freunde wissen um das, was mit mir ist und fast alle unterstützen mich auf meinem Weg und bleiben an meiner Seite, was eine sehr schöne Erfahrung ist.

Jan, 29, Medienmanager

Ich habe mit meiner damaligen Freundin und mit einigen sehr engen Freunden über diese Therapie gesprochen. Ihre Reaktion war sehr überraschend für mich, weil sie überhaupt nicht negativ reagiert haben. Natürlich hat sie das irritiert, und sie waren unsicher, wie sie damit umgehen sollen. Zum Teil haben sie selber Kinder. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sie mir vertrauen. Dass sie wissen, dass ich ihren Kindern nie etwas tun würde. Alle meine Freunde, mit denen ich gesprochen habe – enge Freunde – sind immer noch meine Freunde.

Alex, 24, Student

Meine Eltern wissen Bescheid, ein Teil meiner Großeltern, meine engsten Freunde und verschiedene Leute aus meinem Verein wissen Bescheid. Das war mir wichtig, dass sie es wissen. Ich wollte ihnen einerseits klarmachen, warum es für mich manchmal anstrengend war, entweder zu Babysitten innerhalb der Familie oder aber zum Beispiel im Sommer in Freibäder oder so was zu gehen. Und das konnte ich ihnen damals nicht klarmachen und wurde komisch angeguckt. Mittlerweile haben sie es akzeptiert und versuchen, mich meinen Weg gehen zu lassen.

Christian, 43, Beamter

Wenn ich heute Frust habe, kriege ich den selber weg. Ich gucke, was passiert ist, warum ich Frust habe, wenn ich falsch reagiert habe. Diese Veränderung wirkt sich auf alles aus: Arbeit, privat, Hobby. Ich weiß, dass ich für meine Handlungen verantwortlich bin. Ich sehe heute meine Stärken, während ich früher nur meine Schwächen gesehen habe, und ich kann mich kontrollieren. Wenn ich merke, ich komme in eine gefährliche Situation, dann verlasse ich die. Einmal ist mir das passiert, in der Sauna. Dann bin ich aufgestanden, habe geduscht und bin gegangen, fertig. Und danach war ich stolz. Weil, wie gesagt, ich bin der, der die Verantwortung hat. Ein Kind oder ein Jugendlicher kann das nicht, die Verantwortung muss ich übernehmen.

Jan, 29, Medienmanager

Der wichtigste Teil der Therapie war für mich, zwischen Fantasien und der Verantwortung für mein sexuelles Verhalten zu trennen. Ich kann es nicht verhindern, dass mich Kinder erregen, aber was ich tun kann, ist keinerlei sexuellen Kontakt mit Kindern zu haben.

Stefan, 36, Tontechniker

Am Ende der Therapie hatte ich ein neues Lebensgefühl. Ich bin selbstsicherer und habe die Kraft erlangt, verantwortlich durchs Leben zu gehen. Ich habe gelernt mit meinen Gefühlen umzugehen und wie ich mich und insbesondere Kinder bewusst schützen kann. Aus dieser Erkenntnis und der Akzeptanz meines eigenen Ichs, aus dem neu erlernten Verantwortungsbewusstsein sowie nicht zuletzt durch die Kraft und den Halt, die mir meine Familie gibt, habe ich wieder den Lebensmut und die Zufriedenheit erlangt, um sagen zu können: Ich bin ein glücklicherer Mensch und kann zufrieden leben.

Sven, 45, Lehrer

Das Wichtigste ist aber, dass auch meine Frau wieder an meiner Seite ist und ich meine Familie wieder habe. Natürlich gibt es immer wieder Stiche, zum Beispiel wenn wir uns an die Zeit der Trennung erinnern. Oder wenn das Gespräch auf meine sexuelle Präferenz kommt und ich die Angst meiner Frau spüre, die ihr diese immer noch macht. Doch diese dunklen Momente sind sehr wenige, und zu meiner Überraschung stelle ich immer wieder fest, dass ich sehr glücklich bin. Ich habe mich in den vergangenen Jahren so grundlegend verändert, wie ich das nicht für möglich gehalten hätte. Mein Selbstbewusstsein ist enorm gewachsen, ich bin stressresistenter und ausgeglichener.

Manuel, 33, Informatiker

Nach dem Ende der eigentlichen Therapie ist die Nachsorgegruppe ein hilfreiches Angebot, um weiterhin in Kontakt zu bleiben und meine Ziele im Auge zu behalten. Vor der Therapie habe ich mir nicht vorstellen können, mit dieser sexuellen Präferenz ein normales und zufriedenes Leben führen zu können. Im Laufe der Therapie wurde mir klar, dass dies doch möglich ist. Ich verurteile und hasse mich nicht mehr für mein sexuelles Interesse, da ich weiß, dass ich nichts dafür kann. Mit dieser sexuellen Präferenz ist jedoch die große Verantwortung verbunden, niemandem Schaden zuzufügen. Diese Aufgabe begleitet mich mein Leben lang.

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