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In der Therapie

Folgende Zitate stammen von Menschen, die eine Therapie im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ absolviert haben oder sich zum Zeitpunkt der Interviews in Therapie befanden. Alle persönlichen Angaben - Name, Alter, Beruf - wurden für die Veröffentlichung auf dieser Website anonymisiert.

Sven, 45, Lehrer

Eine letzte Hürde waren die ersten Sitzungen, vor allem die allererste, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie es sein würde, andere Männer mit meinem Problem kennenzulernen. Aber sehr schnell merkte ich, dass es mir gar nicht so schwer fiel, mich in der Runde zu öffnen.

Günther, 55, Fernfahrer

Ich hatte noch nie mit jemanden so darüber gesprochen und wusste nicht, wie Therapie ist. Mir war auch bange, weil die Therapeutin eine Frau war. Dann habe ich mich gewundert, wie leicht mir das Reden fiel, weil wir in der Gruppe alle dasselbe Problem haben: Wir sind alle pädophil.

Manuel, 33, Informatiker

Besonders der Kontakt und die Gespräche mit den anderen Gruppenteilnehmern waren sehr hilfreich, da ich immer das Gefühl hatte, von den Anderen besonders gut verstanden zu werden.

Bernhard, 44, Berater

Jeder kann alles sagen. Keiner wird schief angesehen. Die Therapeuten sind sehr vertrauenswürdig.

Ralph, 38, Regisseur

So eine Gruppensitzung startet mit einer Eröffnungsrunde. Dann gibt es ein Thema, das sich manchmal auch aus der Eröffnungsrunde ergibt. Nach den zwei Stunden gibt es noch eine Schlussrunde, wo man noch mal reflektiert, was hat man mitgenommen von den zwei Stunden, und dann ist die Sitzung zu Ende, manchmal mit einer Aufgabe, die man dann im Laufe der Woche alleine macht, z.B. ein Tagebuch führen.

Christian, 43, Beamter

Wir bekommen Aufgaben für die Zeit zwischen den Gruppensitzungen. Das können Situationen sein, die man erlebt hat, beispielsweise eine Begegnung mit einem Mädchen, dazu einen Impuls und eine Reaktion. Zum Beispiel denkt man: „die würde mir schon gefallen“. In der Therapie lerne ich, diese inneren Vorgänge zu verstehen, aufzudröseln und zu überlegen, ob und was ich hätte anders machen können. Ich kriege mit, dass die sexuelle Präferenz nur ein Teil von mir ist. Meine Wahrnehmung verändert sich. Vorher war ich sehr unsicher, mit ganz wenig Selbstwertgefühl. Jetzt fühle ich mich ausgeglichener - ich mag mich viel mehr.

Stefan, 36, Tontechniker

Die Themen sind vielschichtig und nicht allein nur auf die sexuelle Präferenz bezogen. Ich erhalte Zuspruch und neue Kraft aus der Gruppe, um mein Leben zuversichtlicher und stabiler meistern zu können. Jeder ist ein Teil des Ganzen, und alle Gespräche werden absolut vertraulich behandelt.

Christian, 43, Beamter

Oft fängt es ganz harmlos an: Du sitzt am PC, fängst an, normale Pornos zu suchen, dann wird das Schema immer jünger, die Frauen immer jünger, die Bilder werden härter, man gibt „Teen“ ein und schon ist man mittendrin und hat den „point of no return“ längst überschritten. Die Kunst ist, dass ich mich so gut kennen lerne, dass ich mich so kontrollieren kann, um nicht in solche Situationen zu kommen. Das lerne ich hier.

Ralph, 38, Regisseur

Ich habe ja auch verdrängt, dass mit den Fotos Kinder missbraucht werden. In der Therapie lerne ich, mir diesen Teufelskreis bewusst zu machen.

Alex, 24, Student

Ich will gar nicht erst in Versuchung geraten, mir Kinderpornografie anzugucken. Die Therapie soll mich dabei unterstützen ein Leben zu führen, ohne jemals einen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen, und da unterstützt sie mich ziemlich gut.

Christian, 43, Beamter

Nach zwei Monaten wollte ich die Therapie hinschmeißen, weil alles so wehgetan hat. Ich fühlte mich so schlecht, weil alles an die Oberfläche kam. Dann hatte ich wieder depressive Schübe. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass ich tot bin. Aber ich habe weiter gemacht. Heute bin ich froh darüber. Dieser Weg lohnt sich, aber er ist hart. Zu Anfang fließen Tränen, es geht einem schlecht, es stürzt alles über einem ein. Hier werde ich immerhin ein Stück weit aufgefangen und kriege es erklärt.

Sven, 45, Lehrer

Dann kam die Aufgabe, eine Missbrauchssituation selber im Rollenspiel nachzuspielen. Beim ersten dieser Rollenspiele spielte ich einen der anderen Gruppenteilnehmer, also den Täter. Ich war danach ziemlich mitgenommen und verspürte wenig Lust darauf, noch einmal so ein Rollenspiel durchzumachen. Zuletzt aber spielte ich ein Opfer, eine Schülerin. Ich fühlte mich ganz und gar in dieser Situation und in der Gefühlswelt meines Opfers. Endlich verstand ich die Hilflosigkeit, die Scham, die Ängste, und das Gefühl des Ausgenutzt-werdens. Und endlich wurde aus meiner Überlegung, dass es in der Verantwortung des Erwachsenen liegen muss, dass es nicht zu einem sexuellen Kontakt zu Kindern oder Jugendlichen kommt, eine feste und unumstößliche Überzeugung. Ich hatte am eigenen Leib erfahren, dass das Opfer eben keine Mitschuld trifft, dass es dem Tun des Täters eben nicht unbedingt Einhalt gebieten kann, selbst dann nicht, wenn es ihm vorher gesagt wurde. Was ich vorher nur für falsch hielt, ohne diese Falschheit zu spüren, bekam nun auch eine tiefe emotionale Dimension. Ich wusste, dass ein Übergriff immer falsch ist, weil ich es selber am eigenen Leib erfahren hatte. Kurz nach dieser Einheit vergrößerte sich unsere Gruppe, und es kamen ein paar Männer hinzu, die erst am Anfang ihrer Therapie standen. Hier wurde mir dann immer wieder vor Augen geführt, welchen weiten Weg ich bereits jetzt schon gegangen war, und es kam bald die Zeit, da ich spürte, dass ich genug über mich und meine Neigung gelernt hatte, dass ich diesen Weg auf eigenen Beinen weitergehen konnte.

Christian, 43, Beamter

Ganz früher bin ich schwimmen gegangen, um zu gucken, oder ich bin bei einem Schulhof vorbeigegangen, um zu gucken. Danach habe ich es ganz vermieden, weil ich das nicht mehr wollte. Aber jetzt geht es wieder, jetzt gehe ich nur noch schwimmen, weil ich schwimmen will, denn seit ich hier bin, habe ich riesige Fortschritte gemacht. Ich bin fertig mit der Therapie, wenn ich mir hundertprozentig sicher bin, dass ich verantwortungsvoll handle, das ist es, was ich will.

Jan, 29, Medienmanager

Was das Ende meiner Therapie betrifft, bin ich optimistisch. Ich habe gelernt, mit meinem sexuellen Interesse und meinen Problemen umzugehen. Ich habe ein Netzwerk aus Freunden und anderen Personen aufgebaut, die mich kennen und von meiner sexuellen Präferenz wissen. Ich weiß jetzt, wo ich professionelle Hilfe finde, und das macht mich optimistisch, in Zukunft klar zu kommen.

Bernhard, 44, Berater

Ich weiß nicht, wann das Ende der Therapie ist. Doch selbst wenn die Sitzungen irgendwann aufhören, dann muss ich doch immer an mir arbeiten.

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