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„Kein Täter werden“ startet in Stralsund

Ab dem 5. Februar 2013 bietet die Stralsunder Ambulanz des erfolgreichen Forschungs- und Präventionsprojekts „Kein Täter werden“ Männern mit auf Kinder gerichteten sexuellen Fantasien therapeutische Hilfe unter Schweigepflicht. Die Deutsche Kinderhilfe und Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig unterstützen das Projekt.

Ziel des Präventionsprojektes ist es, sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie den Konsum von Missbrauchsabbildungen (sogenannte Kinderpornografie) bereits im Vorfeld zu verhindern. Männer, die sich sexuell zu Kindern und/oder Jugendlichen hingezogen fühlen, aber keinesfalls Übergriffe begehen wollen, können sich für eine Therapie an das Kompetenzzentrum Sexualmedizin Mecklenburg-Vorpommern e.V. in Stralsund wenden. Das Forschungs- und Präventionsprojekt startet am 5. Februar 2013 und wird vom Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern zunächst bis Ende 2013 finanziert. Es orientiert sich am gleichnamigen Pilotprojekt, das es seit 2005 an der Berliner Charité und mittlerweile auch in Kiel, Regensburg, Leipzig, Hannover und Hamburg gibt.

„Wir freuen uns, dass wir ab sofort auch hilfesuchenden Personen aus Mecklenburg-Vorpommern ein wohnortnahes Angebot anbieten zu können. Die Arbeit unserer Kollegen aus Berlin und an den anderen Projektstandorten zeigt, dass dieses Therapieangebot Menschen mit pädophiler Neigung dabei helfen kann, keine Übergriffe auf Kinder zu begehen.“, so Dr. Dirk Rösing, Leiter des Präventionsprojektes in Stralsund.

Diese Einschätzung teilt Professor Klaus M. Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Berliner Charité, wo das Präventionsprojekt Dunkelfeld 2005 initiiert wurde: „Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass Männer mit pädophiler Neigung über eine qualifizierte Medienkampagne mit begleitender Öffentlichkeitsarbeit für eine präventive Therapie erreichbar sind. Die sexualmedizinische Diagnostik erlaubt eine zuverlässige Beurteilung der sexuellen Neigung und deren Risikoeinschätzung, was für die Therapie eine wichtige Voraussetzung ist und erklärt, dass nach den bisherigen Studienergebnissen durch das Behandlungsprogramm Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch günstig beeinflusst und bei den Betroffenen erfolgreich eine Verhaltenskontrolle aufgebaut werden kann.“, so der Sprecher des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden.

„Das Projekt bietet die große Chance, gefährdete Personen zu erreichen, bevor sie aufgrund ihrer Neigung Missbrauchstaten an Kindern begehen. Präventive Therapie ist der beste Opferschutz!", sagte Manuela Schwesig, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, zum Start des Projekts.

Projektpartner ist die Deutsche Kinderhilfe e. V.. Deren Vorstandsmitglied und Regionalbeauftragter Nord, Rainer Becker, zu dem Engagement der Organisation: „Vorbeugende Maßnahmen sind der beste Kinderschutz, dies gilt ganz besonders für potentielle pädophile Täter. Jede verhinderte Tat schützt ein Kind. Die Deutsche Kinderhilfe unterstützt deshalb das Präventionsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern.“

Die Therapie integriert verhaltenstherapeutische und sexualmedizinische Ansätze, die die Möglichkeit einer medikamentösen Unterstützung beinhalten. Interessenten, die sich um einen der Therapieplätze bewerben wollen, sollten folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen hinsichtlich ihrer sexuellen Neigung über ein Problembewusstsein verfügen und aus diesem Grund von sich aus und ohne gerichtlichen Druck therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Werden sie in das Projekt aufgenommen, können sie kostenlos und durch die therapeutische Schweigepflicht geschützt sowohl eine diagnostische Abklärung ihres Problems als auch therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen. Betroffene können sich unter der Telefonnummer 0174 9113044 oder per E-Mail-Adresse praevention@dunkelfeld-mv.de an die Präventionsambulanz des Kompetenzzentrums Sexualmedizin Mecklenburg-Vorpommern e.V. wenden.

Seit dem Start des Projektes 2005 in Berlin werden Männer, die auf Kinder bezogene sexuelle Impulse verspüren, mithilfe einer PR- und Medienkampagne auf die vorbeugende Therapiemöglichkeit aufmerksam gemacht. Das Motto der Kampagne lautet: „Damit aus Fantasien keine Taten werden!“ Dr. Dirk Rösing bringt das Ziel der Kampagne auf den Punkt: „Betroffene Männer sollen die Botschaft erhalten „Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen Gefühlen, aber Du bist verantwortlich für Dein sexuelles Verhalten! Es gibt Hilfe! Werde kein Täter!“

Der Standort Stralsund ist Partner im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“. Auf der Internetpräsenz des Präventionsnetzwerks www.kein-taeter-werden.de erhalten Interessierte weitere Informationen und Kontaktdaten zu den Ambulanzen des Projektes in Deutschland.

Pressekontakt: Jens Wagner, Tel. (030) 450 529 307, Fax -992 E-Mail: jens.wagner@charite.de

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