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Hintergrund

Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, begehen nicht zwangsläufig sexuelle Übergriffe oder nutzen Abbildungen sexuellen Kindesmissbrauchs (sog. Kinderpornografie). Daher müssen die Begriffe Pädophilie/Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch unterschieden werden. Während die strafrechtliche Bezeichnung ‚sexueller Kindesmissbrauch‘ ausschließlich sexuelle Handlungen mit Kindern beschreibt, wird unter Pädophilie/Hebephilie eine sexuelle Ansprechbarkeit auf den kindlichen beziehungsweise jugendlichen Körper verstanden. Nicht jeder Mensch mit einer Pädophilie oder Hebephilie begeht sexuellen Kindesmissbrauch und nicht jeder Sexualstraftäter ist pädophil oder hebephil.

Die Häufigkeit der Pädophilie bzw. pädophilen Störung in der Allgemeinbevölkerung ist unbekannt (Cohen & Galynker, 2002; Seto, 2008). In aktuellen sexualwissenschaftlichen Untersuchungen an männlichen Probanden aus der Allgemeinbevölkerung gaben zwischen 4.1% - 9.5% der Befragten an, schon einmal sexuelle Fantasien mit Kindern gehabt zu haben. Zwischen 3.2% - 3.8% der Befragten berichteten sogar von sexuellem Verhalten mit Kindern (Ahlers et al., 2011; Dombert et al., 2015, siehe hierzu auch die Ergebnisse der Mikado-Studie). Da jedoch in vielen Studien die Intensität und Dauerhaftigkeit dieser sexuellen Fantasien/Verhaltensweisen nicht untersucht wurde, lässt sich daraus nur schwer das Vorkommen von pädophilen Neigungen im Sinne einer klinisch diagnostizierbaren Pädophilie in der Bevölkerung schätzen. Die Häufigkeit wird – bislang erhobenen Daten zufolge – auf bis zu 1% der männlichen Bevölkerung geschätzt (Beier et al., 2005; Dombert et al., 2015). Für eine gesicherte Diagnose ist jedoch ein ausführliches klinisches Interview notwendig. Eine Pädophilie wird fast ausschließlich bei Männern diagnostiziert, betroffene Frauen zeigen sich wenig. Über die Häufigkeit einer pädophilen Präferenz bei Frauen gibt es daher derzeit keine gesicherten Erkenntnisse. In einigen wenigen Veröffentlichungen zu diesem Thema wird davon ausgegangen, dass es sich um Einzelfälle handelt (Bundschuh, 2001; Schorsch, 1985).

Die Ursachen einer Pädophilie/ Hebephilie sind weitgehend unbekannt. Die therapeutische Erfahrung zeigt, dass es vielen Betroffenen schwer fällt, mit dieser Neigung und den damit verbundenen sexuellen Fantasien umzugehen.

Der größte Anteil sexueller Übergriffe an Kindern und Jugendlichen ist polizeilich nicht bekannt. Da diese Taten nicht von der Kriminalstatistik erfasst werden und somit im Dunkeln verbleiben, bezeichnet man sie als Missbrauch im sogenannten Dunkelfeld. Der Anteil der Taten im Dunkelfeld ist um ein Vielfaches höher, Schätzungen zufolge mindestens achtmal so hoch, als der Anteil justizbekannter Taten, die als Taten im so genannten Hellfeld bezeichnet werden. Zwar ist der Anteil von Kinderpornografiedelikten an allen Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Hellfeld nach wie vor gering, dennoch verzeichnen die polizeilichen Kriminalstatistiken einen deutlichen Anstieg für diese Gruppe von Straftaten. Es muss auch hier davon ausgegangen werden, dass der Konsum von Missbrauchsabbildungen im Internet überwiegend im Dunkelfeld stattfindet.

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