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FAQ

Was ist Pädophilie? Was Hebephilie?

Pädophilie ist eine besondere Ausrichtung der sexuellen Präferenz. Als sexualmedizinische Diagnose beschreibt Pädophilie die sexuelle Ausrichtung auf Kinder, die sich in ihrer körperlichen Entwicklung vor dem Beginn der Pubertät befinden (im Allgemeinen bis 10/11 Jahre). Pädophile Menschen beziehen demzufolge in ihre sexuellen Fantasien und Impulse vorpubertäre Kinder ein, reagieren auf sie sexuell und wünschen sich sozialen Umgang und Kontakt mit ihnen. Von Hebephilie wird gesprochen, wenn sich die sexuelle Ausrichtung auf Kinder und Jugendliche richtet, deren körperliche Entwicklung bereits Merkmale der Pubertät aufweist (im Allgemeinen 12-16 Jahre).

Pädophile oder hebephile Menschen begehen nicht zwangsläufig sexuelle Übergriffe auf Kinder oder nutzen Abbildungen Minderjähriger, die sexuellen Missbrauch darstellen (sog. “Kinderpornografie). Der Begriff Pädophilie beschreibt ausschließlich eine sexuelle Neigung und nicht ein sexuelles Verhalten! Daher muss auch zwischen den Begriffen Pädophilie, Pädosexualität und sexueller Kindesmissbrauch grundlegend unterschieden werden: Pädosexualität ist die sexualmedizinische Bezeichnung für sexuelle Handlungen mit Kindern und damit die terminologische Entsprechung für den strafrechtlichen Begriff sexueller Kindesmissbrauch. Die Begriffe Pädosexualität und Pädophilie stehen daher zwar miteinander in Beziehung, sind jedoch nicht identisch und können daher nicht synonym verwandt werden.

Wie wird eine Diagnose gestellt?

Die Diagnose Pädophilie bzw. Hebephilie wird im Verlauf eines klinischen Interviews gestellt, in welchem eine Vielzahl von Informationen zum sexuellen Erleben und Verhalten erfragt werden. Wichtig ist bei der Diagnostik vor allem, das Fantasieerleben mit einzubeziehen. Ergänzt werden die hierbei gesammelten sexualmedizinisch relevanten Erkenntnisse z. B. durch sexualpsychologische Fragebögen und Testverfahren (Psychodiagnostik). Weitere diagnostische Anhaltspunkte können über Körperreaktionsableitungen gewonnen werden. Neben der Messung, z.B. von Puls, Blutdruck, Hautwiderstand, Pupillenweite, Atmung oder Transpiration spielt dabei vor allem die Messung der Erektionsreaktion des Penis (Penispletysmographie) eine Rolle.

Die psycho- und physio-diagnostischen Verfahren stellen jedoch nur zusätzliche diagnostische Verfahren dar (vergleichbar einem Röntgenbild bei orthopädischen Verletzungen) und können ein sachverständiges sexualdiagnostisches Gespräch nicht ersetzen. Ohne ein klinisches Interview kann keine zuverlässige Diagnose gestellt werden.

Die Kriterien, die für eine Diagnose Pädophilie erfüllt sein müssen, sind in den international anerkannten diagnostischen Leitfäden der Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD-10) und der Amerikanischen Psychiatrievereinigung APA (DSM-IV-TR) festgelegt. Das wichtigste Kriterium ist hierbei die sexuelle Ansprechbarkeit einer erwachsenen Person auf den vorpubertären Kinderkörper.

Wer kann die Diagnose einer Pädophilie oder Hebephilie stellen?

Für die fachkompetente Diagnostik und Behandlung bei Pädophilie gilt - wie für alle sexuellen Störungen - dass sie eine spezielle, sexualmedizinische Qualifikation voraussetzt. Aktuell ist weder die Diagnose noch die Behandlung sexueller Störungen Teil der universitären Ausbildung in den Fächern Medizin und Psychologie, noch ist dies Gegenstand von Weiterbildungsgängen der Psychotherapie, Psychiatrie oder psychosomatischen Medizin. Lediglich die sexualmedizinische Weiterbildung (wie sie beispielsweise durch die Ärztekammer Berlin realisiert wird) deckt die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten ab.

Was sind die Ursachen einer pädophilen oder hebephilen Neigung?

Die Entstehung einer Pädophilie und/oder Hebephilie ist in gleicher Weise durch biologische, psychische und soziale Faktoren bestimmt. Wie das genaue Zusammenspiel dieser Faktoren in dem bio-psycho-sozialen Prozess der Entstehung einer pädophilen oder hebephilen Sexualpräferenz abläuft, ist bisher nicht bekannt. Jede Reduzierung eines Erklärungsansatzes auf nur einen dieser Faktoren (z. B. genetische Prädisposition) würde zu kurz greifen.

Wie viele Pädophile gibt es? Wie viele davon sind Frauen?

Ausreichend Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler bzw. hebephiler Menschen in der Bevölkerung ist, gibt es bisher nicht. Ausgehend von 2005 an einer repräsentativen Stichprobe Berliner Männer ermittelter Zahlen ist eine Schätzung der Prävalenz auf ca. 1% gerechtfertigt. Bezogen auf 30 Millionen Männer zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland, wären das ca. 250 000 Betroffene. Der Anteil der Frauen ist nach bisherigem Kenntnisstand allerdings verschwindend gering. So haben sich z. B. im Rahmen des Präventionsprojektes Dunkelfeld bisher nur wenige Frauen gemeldet und lediglich bei einer konnte eine Pädophilie diagnostiziert werden.

Begehen alle pädophilen Menschen auch sexuellen Kindesmissbrauch?

Nein.

Sind alle sexuellen Kindesmissbrauchstäter pädophil?

Nein. Den vorliegenden Daten zufolge gibt es zwei Gruppen von Tätern, die sexuellen Missbrauch von Kindern begehen: Diejenigen, die eine sexuelle Präferenzstörung aufweisen (Pädophilie oder Hebephilie) und diejenigen, die gemäß ihrer sexuellen Präferenzstruktur auf das erwachsene (und nicht das kindliche oder das jugendliche) Körperschema ausgerichtet sind, und aus unterschiedlichen Gründen sogenannte „Ersatzhandlungen“ begehen. Solche „Ersatzhandlungen“ werden also von nicht-präferenzgestörten Tätern (meist Männer, zu einem geringen Anteil auch von Frauen) begangen, z. B. aufgrund einer (z.B. antisozialen) Persönlichkeitsstörung, aufgrund einer soziosexuellen Unerfahrenheit (beispielsweise bei Jugendlichen), aufgrund geistiger Behinderung (und dadurch eingeschränkter psychosozialer Kompetenz), aber auch im Rahmen allgemein grenzverletzenden innerfamiliären Verhaltens von Vätern und Stiefvätern.

Ausgehend von Studien mit großen Stichproben von justizbekannten (verurteilten) Tätern liegt der Anteil der pädophil motivierten Männer, die Kinder sexuell missbrauchen , bei ca. 40 %. Gleichwohl ist der Anteil pädophiler Täter am sexuellen Missbrauch von Kindern nur schwer abzuschätzen, weil die meisten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch, und damit auch die meisten Täter, im so genannten „Dunkelfeld“ stattfinden, das bislang nicht systematisch erfasst ist.

Was bedeuten die Begriffe „Hellfeld“ und „Dunkelfeld“?

Taten, die in irgendeiner Form justizbekannt werden, werden als Taten im Hellfeld bezeichnet. Die Mehrzahl der tatsächlich verübten sexuellen Übergriffe auf Kinder gelangt jedoch nicht zur Anzeige, bleibt von Justiz und Strafverfolgung unerfasst und wird folglich auch in keiner Kriminalstatistik aufgeführt. In der deutschen Kriminologie wird dieser Bereich als Dunkelfeld bezeichnet.

Sehen Pädophile den Konsum von Kinderpornografie als Alternative?

Die Nutzung von Missbrauchsabbildungen (sog. Kinderpornografie) wird von Pädophilen und Hebephilen auch als eine Möglichkeit wahrgenommen, sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen, ohne sexuelle Übergriffe auf Kinder zu begehen. Selten besteht dabei aber ein Problembewusstsein dafür, dass der Produktion entsprechender Materialien der sexuelle Missbrauch der abgebildeteten Kinder vorausangegangen sein muss. Die Nutzung dieser Missbrauchsabbildungen kann aber eigenständig Leidensdruck verursachen und ist zweifelsohne ein Indikator für das Vorliegen einer pädophilen oder hebephilen Neigung.

Kann ein entsprechender Konsum nicht den Wunsch nach realem Missbrauch stärken?

Inwiefern die Nutzung von Missbrauchsabbildungen den Wunsch nach Realisierung eines sexuellen Kontaktes mit einem Kind verstärkt, kann nach gegenwärtigem Stand der Forschung nicht abschließend beurteilt werden. Die Antwort auf diese Frage verliert aber an Bedeutung, da bereits die Nutzung selbst ein Straftatbestand ist und eine Form sexuellen Kindesmissbrauchs darstellt. Der Verzicht auf Kinderpornografie muss ebenso Ziel der therapeutischen Bemühungen im Rahmen des Präventionsprojektes sein, wie das Ausbleiben sexueller Kontakte mit Kindern.

Wird die therapeutische Schweigepflicht auch eingehalten, wenn ein sexueller Missbrauch durch die Patienten begangen wurde?

Die Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht bezüglich aller in der Vergangenheit liegenden Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, die ihnen im Rahmen ihrer therapeutischen Tätigkeit bekannt werden. Die Verletzung dieser Schweigepflicht ist strafbar. Zudem wäre durch ihre Verletzung der präventive Ansatz von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Vor dem Hintergrund, einem nicht-justizbekannten, hilfesuchenden (pädophilen) Täter eine therapeutische Anlaufstelle bieten zu können, um weitere Übergriffe zu verhindern, ist diese Gesetzeslage in Deutschland ausdrücklich zu begrüßen. Gäbe es diese Gesetze nicht, blieben wohl alle Dunkelfeldtäter weiterhin im Dunkeln und damit für eine Therapie unerreichbar.

Wie groß ist der Einfluss der Bundesregierung auf die Forschung und Therapie im Rahmen des Projekts?

Das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin arbeitet inhaltlich unabhängig von der Bundesregierung; es erhält zur Realisierung von Teilaspekten des Präventionsprojektes lediglich eine finanzielle Förderung. Keinerlei personenbezogene Daten werden an Dritte übermittelt.

Wie groß sind die Erfolgschancen einer Therapie? Was ist ein Erfolg?

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung ist Pädophilie/Hebephilie weder heilbar (im Sinne einer Auflösung oder Veränderung der sexuellen Präferenz), noch ist bekannt, welche Ursachen ihr zugrunde liegen. Behandlung ist aber möglich. Das einzig realistische Therapieziel ist dabei allerdings, einen verantwortungsvollen Umgang mit der pädophilen Neigung zu erreichen. Dies bedeutet, weder einen sexuellen Übergriff auf ein Kind zu begehen noch Missbrauchsabbildungen zu nutzen. Wird dieses Ziel erreicht und ist dies zudem auf die Therapie zurückzuführen, kann von einer erfolgreichen Therapie gesprochen werden.

Wird mit diesem Projekt nicht Täterschutz betrieben?

Nein, keineswegs. Die im Rahmen des Projektes angebotene Therapie für problembewusste hilfesuchende Pädophile und Hebephile soll dazu beitragen, sexuelle Übergriffe auf Kinder und die Nutzung von Missbrauchsabbildungen zu verhindern. Das Projekt leistet aktiven Kinderschutz, indem es das Problem entweder aufgreift, bevor Kinder überhaupt zu Opfer werden, oder indem es wiederholte Formen des Missbrauchs unterbindet und einer anhaltenden Traumatisierung von Kindern entgegenwirkt.

Zielt die Therapie darauf ab, das sexuelle Verlangen zu unterdrücken?

Nein. Ziel der Therapie ist es unter anderem zu lernen, das eigene Verhalten so zu kontrollieren, dass es zu keinem sexuellen Übergriff auf Kinder kommt. Ist das Ausmaß der sexuellen Impulse allerdings zu hoch, um alleine durch den Erwerb neuer Fertigkeiten zur Selbstkontrolle das Verhalten zu steuern, besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Behandlung. Durch die Medikamente werden die sexuellen Impulse gedämpft. Die Intensität sexueller Impulse muss gegebenenfalls soweit reduziert werden, bis der Betroffene sich diesen gewachsen fühlt und daher in der Lage sieht, sich aktiv am Erwerb weiterer Strategien im Rahmen der begleitenden Therapie zu beteiligen.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie?

Auf Seiten der Patienten vor allem der entschiedene Wille, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder (mehr) zu begehen, keine Missbrauchsabbildungen (mehr) zu nutzen, sowie die Bereitschaft, für die Dauer der Therapie (ca. ein Jahr) regelmäßig an den wöchentlichen Therapiesitzungen aktiv teilzunehmen.

Wie funktioniert die Therapie?

Die Therapie folgt einem sogenannten "multimodalen" Ansatz, nachdem Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, der Sexualtherapie und einer medikamentösen Therapie zusammengeführt werden. Die therapeutischen Teilziele orientieren sich an den so genannten "skills" (Fertigkeiten), die in der Forschung als entscheidend für die Kontrolle sexueller Impulse identifiziert wurden.

Die einzelnen Schwerpunkte zeigen sich in den Modulen eines strukturierten Therapieplans:

• Wissensvermittlung zur Reduktion von Fehlannahmen bezüglich Sexualität und sexueller Reife von Kindern
• Einstellungsänderung hinsichtlich Sexualität und eigener sexueller Neigung
• Medikamenteneinnahme zur unterstützenden Impulsreduktion
• Training zur Selbst- und Fremdwahrnehmung (Gefühl, Gedanke und Verhalten)
• Rollenspiele und Modellbildung zur Schulung der Perspektivenübernahme und Empathiefähigkeit
• Erhöhung der Frustrationstoleranz, Selbstwirksamkeit und Problemlösungsfähigkeit
• Entwicklung und Einüben alternativer Verhaltenstrategien
• Aufbau eines unterstützenden Netzwerkes

Wie lange dauert die Therapie?

Die angebotene ambulante Therapie erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. einem Jahr, mit ca. 45 wöchentlich stattfindenden Therapiesitzungen. Hierbei dauert eine Sitzung im Gruppentherapieverfahren drei Stunden, im Einzeltherapieverfahren eine Stunde.

Endet die Betreuung nach Abschluss des Behandlungsprogramms?

Nein. Es handelt sich bei der Pädophilie und der Hebephilie um nicht veränderbare sexuelle Präferenzstörungen, die auch nach Abschluss des Behandlungsprogramms zu kritischen Situationen für die Betroffenen führen können und deshalb für sie Inanspruchnahme einer spezialisierten Einrichtung auch zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben möglich sein muss. Am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin wird deshalb eine Nachsorgegruppe angeboten und von vielen Betroffenen auch genutzt.

Wird die Therapie von den Krankenkassen übernommen?

Nein, jedenfalls nicht spezifisch auf die Krankheit bezogen und im erforderlichen Umfang. Da Pädophilie und Hebephilie durch ihre Unveränderbarkeit als chronische Erkrankungen aufzufassen sind und für Betroffene die lebenslange Inanspruchnahme spezialisierter Hilfen zur Verhinderung sexueller Übergriffe und Nutzung von Missbrauchsabbildungen gewährleistet sein müsste, wäre die Finanzierung eines entsprechenden Chronikerprogramms (wie bei anderen chronischen Erkrankungen üblich) das adäquate Instrument des Deutschen Gesundheitssystems. Dies existiert für die Pädophilie/Hebephilie bislang aber noch nicht.

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