Laut polizeilicher Kriminalstatistik werden in Deutschland jährlich etwa 15.000 Kinder Opfer sexueller Übergriffe. Es herrscht Einigkeit darüber, dass die in der polizeilichen Kriminalstatistik erscheinenden Fälle lediglich die Spitze des Eisberges darstellen und dass die so genannte Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt. Dies belegen auch Ergebnisse aus repräsentativen Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung (Wetzels, 19971; Dansky et al., 19972), nach denen 8,6 % der Mädchen¹, 2,8 % der Jungen¹ und 13,3 % aller Frauen² im Laufe ihres Lebens Opfer sexueller Übergriffe werden.

Die Mehrzahl der tatsächlich verübten sexuellen Übergriffe auf Kinder gelangt demnach nicht zur Anzeige, bleibt damit von Justiz und Strafverfolgung unerfasst und taucht folglich auch in keiner Kriminalstatistik auf. Dabei ist, nach derzeitigem Stand des Wissens, die Anzahl von Taten, die nicht angezeigt und demnach im so genannten „Dunkelfeld” verübt werden, in keinem anderen Kriminalitätsbereich der so genannten „Delikte am Menschen” höher als bei sexuellen Übergriffen auf Kinder.