Hilfe für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen

„Kein Täter werden“ richtet sich an Personen mit sexuellem Interesse an Kindern. Wir bieten Vertraulichkeit, einen geschützten Rahmen und ein Therapiekonzept. Mit den Teilnehmenden erarbeiten wir Wege zu einem gesetzeskonformen und zufriedenen Leben.

Prof. Klaus M. Beier stellt das Angebot vor (2022)

Sprecher des Präventionsnetzwerks, 3 Minuten, mit Untertiteln

Transkript lesen

Mein Name ist Klaus Beier. Ich bin Professor für Sexualmedizin an der Charité. Unter meiner Leitung ist das Präventionsprojekt Dunkelfeld im Jahr 2005 an der Charité initiiert worden, wobei am hiesigen Institut und der angegliederten Hochschulambulanz für Sexualmedizin alle Indikationsgebiete überschaut werden, welche die sexuelle Gesundheit und die psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Sexualität beeinträchtigen können.

Die psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Sexualität spielt im Präventionskonzept von „Kein Täter werden“ ebenfalls eine große Rolle, weshalb es zwei große Ziele gibt: Zum einen, eigenmotivierten und veränderungsbereiten Menschen zu helfen, eine sichere und dauerhafte Verhaltenskontrolle auszubilden, die ihnen möglich macht, diejenigen sexuellen Fantasien, die Handlungen mit Kindern betreffen, auf der Fantasieebene zu belassen und keine Taten zu begehen, wodurch dann auch keine Opfer resultieren.

Zum anderen, die psychische Gesundheit eigenmotivierter und kooperationsbereiter Menschen mit einer sexuellen Ausrichtung auf das kindliche Körperschema zu verbessern, um ihnen soziale Teilhabe und Gemeinschaft zu ermöglichen. Die Gefahr der Stigmatisierung von Menschen mit pädophiler Sexualpräferenz ist, auch wenn diese sich überhaupt nichts zuschulden haben kommen lassen und ihr Verhalten sicher kontrollieren, so groß, dass ein sozialer Rückzug begünstigt wird, der zu psychischen Symptomen bis hin zur Ausbildung von psychosomatischen, depressiven, Angst- oder Suchterkrankungen führen kann.

Deren Wurzeln liegen oftmals in der sexuellen Präferenzbesonderheit, die sich aber niemand aussucht und die er insofern nicht zu verantworten hat. Im Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ kümmern wir uns deshalb um die Folgesymptome dieser Präferenzbesonderheiten und wollen helfen, die soziale Isolation zu durchbrechen und psychische Gesundheit zu fördern, welche die beste Voraussetzung dafür ist, auf der Verhaltensebene ein verantwortungsvolles Leben zu führen und mit dazu beizutragen, dass Kinder eine geschützte Entwicklung nehmen können.

Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sowohl für die digitale als auch für die reale Welt, in der sich Kinder entwicklungsgerecht bewegen können müssen. Ich lade daher alle ein, die sexuelle Interessen an Kindern haben oder abklären möchten, ob sie solche haben, den Kontakt zu den Anlaufstellen des Netzwerks „Kein Täter werden“ zu suchen und in diesem Sinne spezialisierte Hilfen anonym und kostenfrei in Anspruch zu nehmen.

Was beschreibt Ihr Anliegen am besten?

Hilfesuchende

Ich fühle mich sexuell zu Kindern hingezogen und suche Hilfe.

Angehörige

Ich kenne jemanden, der ein sexuelles Interesse an Kindern hat, und suche Rat.

Fachkräfte

Ich möchte auf Personen mit sexuellem Interesse an Kindern adäquat reagieren.

Journalisten

Ich arbeite journalistisch und suche Informationen und Ansprechpartner.

666 Menschen sind derzeit im Netzwerk in Behandlung (Stand 31. Dezember 2025). Alle Zahlen

Teilnahmevoraussetzungen

Unser Angebot richtet sich an Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen.

Sie können sich an uns wenden,

  • wenn Sie deshalb niedergeschlagen und beeinträchtigt sind,
  • wenn Sie nie etwas getan haben und es auch nicht befürchten, aber mit niemandem darüber sprechen können oder sich deshalb zurückziehen,
  • wenn Sie bisher keine Straftaten begangen haben, aber befürchten, es in Zukunft zu tun,
  • wenn Sie bereits sexuelle Übergriffe begangen oder Missbrauchsabbildungen (juristisch: kinderpornografische Inhalte) genutzt haben und die Justiz davon nichts weiß,
  • wenn Sie dafür angezeigt oder verurteilt wurden und das Verfahren abgeschlossen ist.

Läuft gegen Sie ein Ermittlungs- oder Strafverfahren, können wir Sie in dieser Zeit nicht behandeln. Melden Sie sich wieder, wenn das Verfahren abgeschlossen ist, eine verhängte Strafe verbüßt ist und keine Auflagen der Justiz mehr bestehen, etwa Bewährung oder Führungsaufsicht.

In fünf Schritten zur Therapie

  • kostenlos
  • unter Schweigepflicht
  • ohne Namen möglich
  1. Sie melden sich
  2. Erstes Gespräch
  3. Einstieg
  4. Therapie
  5. Nachsorge

Ziel ist, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen und nicht zur Nutzung von Missbrauchsabbildungen kommt – und dass es Ihnen psychisch besser geht.

Vereinfacht; Einzelheiten je nach Standort.

Mediathek

Berichte, Reportagen und Interviews über das Präventionsnetzwerk.

Aus dem Präventionsnetzwerk

„Kein Täter werden“ begann 2005 als Pilotprojekt am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Heute gibt es 13 Standorte in Deutschland und ein Online-Angebot für Menschen in Sachsen-Anhalt. In der Schweiz und in Liechtenstein gibt es eigenständige Angebote, die sich am Ansatz orientieren. Im Rahmen von Forschungskooperationen gibt es inzwischen auch in mehreren anderen Ländern Angebote, die sich auf einen vergleichbaren Ansatz stützen.